Aktuell

 

Die Corona-Krise

Reflexion Nr.1
Frühjahr 2020

 

Die erste Reflexion – wie könnte man gegenwärtig anders – soll der Corona-Krise gewidmet sein. Die bange Frage lautet zurzeit, wie lange die Krise und vor allem der mit ihr verbundene »Lockdown«, die Lähmung des Gesellschafts- und Wirtschaftslebens als sanitarische Massnahme, wohl anhalten werde. Darauf wird es erst im Nachhinein eine seriöse Antwort geben, doch um es etwas vorzugreifen, soll an dieser Stelle schon einmal die Frage aufgeworfen werden, ob ein Text wie der vorliegende in einem oder zwei Jahren wohl einleitende Worte braucht. In der Art von »Wir erinnern uns, die Corona-Krise war die Zeit, als ein Händedruck plötzlich bedrohlich wirkte und man jedem Hüsteln nachzusinnen begann. Wird die Krise in einem Jahr weg sein und das Thema vergessen? Spannender indes als die Frage nach der Dauer der Krise, der Gefährlichkeit des sie auslösenden Virus oder gar der Trefflichkeit dieser oder jener Massnahme scheinen mir in politischer Hinsicht die Phänomene, die am Rande der Diskussion besprochen werden.

Der neue Alltag mit reduzierter Mobilität
 

Hier wäre erstens der Umstand, dass in unserer Mobilitätsgesellschaft offenbar ohne Weiteres auf den grössten Teil des Verkehrs verzichtet werden kann, ohne dass gleich das schiere Chaos ausbricht. Das Wort »Chaos« sei an dieser Stelle auf die elementaren Lebensgrundlagen bezogen und es ist keinesfalls die Absicht dieses Textes, wirtschaftliche und gesellschaftliche Schicksalsschläge, die mit dem »Lockdown« verbunden sind, schönzureden; erstaunlich ist es aber schon, dass sich der Alltag mit einem Bruchteil des gewohnten Verkehrs bewältigen lässt. Kämpfte die Bahn vor der Krise mit mangelnden Kapazitäten, staute sich der Strassenverkehr an so gar mancher Stelle mit grosser Zuverlässigkeit und glaubte man, Pläne zur Kapazitätssteigerung an Flughäfen seien alternativlos, so werden wir gerade eines Besseren belehrt: im Grunde nicht nötig. 

Offenbar ist das ganze Hin- und Her unseres Normalbetriebs herzlich sinnlos und hat kaum einen anderen Nutzen als den, welchen man etwa mit »in sich ruhende Betriebsamkeit« überschreiben könnte: Teile unseres Gesellschafts- und Wirtschaftslebens funktionieren ganz offensichtlich durch das Inszenieren von Mobilität, über ein Sich-drehen-im-Kreis, als eine Art wirtschaftliches Karussell, welches ja in der Lieblingssprache der Ökonomie auch treffenderweise merry-go-round heisst. Da diese Mobilität umwelttechnisch ein Problem darstellt, sollten wir die Corona-Krise zum Anlass nehmen, uns zu fragen, wie wir Teile unseres Alltags (wieder) vom Personen- und Warenverkehr entkoppeln können.

Dass diese Reduktion aber nur einen Teil des bisher Gewohnten umfassen kann, zeigt sich an einem weiteren Umstand, der an der Massnahme des »Lockdowns« sichtbar wird: Ist es nämlich für die Epidemiologen klar, dass in gegenwärtiger Situation ohne Impfstoff ein möglichst ausgeweiteter »Lockdown« die bestmögliche Massnahme gegen das Virus ist. Mit der dahingehenden Reduktion des Verkehrs und des gesellschaftlichen Austauschs können Menschenleben gerettet werden.

 

An anderer Stelle wird im Gesundheitsbereich auf eben die Gefahren hingewiesen, die von mangelndem Austausch herrühren. Es geht dabei um die Akzentuierung von problematischen Verhaltensweisen und Suchterkrankungen infolge des »Social Distancings«, die Ausbreitung von Depressionen infolge Vereinsamung etc. Einerseits wird also kaum jemand die Logik des »Lockdowns« bestreiten wollen, andererseits auch nicht, dass die Menschen ein Mindestmass an Tapetenwechsel und realen Begegnungen brauchen. Die Vorstellung, vom Homeoffice direkt in die Ferien auf Balkonien zu switchen, hat in der Tat etwas Lähmendes. Verkehr scheint so nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit zu sein, sondern auch für unser Gemüt einen hohen Stellenwert zu besitzen.

Die Auswirkungen auf die Umweltpolitik
 

Gelegentlich taucht derzeit die Frage auf, wieso die Politik dem Coronavirus weltweit derart entschieden entgegentrete und bei Massnahmen gegen den Klimawandel ein ausgesprochener Schlendrian vorherrsche. Die Antwort darauf ist wiederum in der menschlichen Wahrnehmung zu suchen, wo uns das eine eben viel »virulenter« erscheint als das andere. Anders gesagt, die Gefährlichkeit des Virus ist viel einfacher zu begreifen und selbst der starrköpfigste Politiker kommt angesichts der drohenden Auslöschung seiner selbst zum Schluss, dass etwas getan werden muss.

Es ist aber überhaupt nicht so, dass die Corona-Krise uns zwingend die Augen öffnen würde für das sich anbahnende Umweltdesaster, das bekanntermassen von der Mehrheit einfach hingenommen wird. Ganz im Gegenteil ist zu befürchten, dass die wirtschaftliche Aufholjagd, die nach dem »Lockdown« ansteht, diese oder jene umweltpolitische Massnahme zunichte machen wird und der zuvor aufkeimende Elan im Klimakampf abflaut. Die eine Krise rückt sich in den Vordergrund und nimmt die anderen aus der medialen Schusslinie; dies wird sich auch der Direktor jener Energieagentur gesagt haben, die im Zuge der Corona-Krise in einer grossen Schweizer Tageszeitung die Atomkraft als Ressource einer autarken und umweltbewussten Energieversorgung angepriesen hat. Ausserdem wurde dem Souverän gar nahelegt, auf den beschlossenen Atomausstieg zurückzukommen. Es ist gerade so, als ob angesichts der akuten Not, die radioaktiven Abfälle sowieso egal wären und nicht für die bekannte Dauer ein hohes Problempotenzial bärgen -  nämlich einer Million Jahre.

Die Corona-Krise sollte, wenn sie hoffentlich bald zum Abflachen kommt, als Chance für Veränderungen genutzt werden. Es sollten nicht nur Lehren in Bezug auf Epidemien gezogen, sondern auch das Bewusstsein aus der Krise mitgenommen werden, dass Massnahmen der Politik Wirkung zeigen. Das Fördern von einem bis zwei Home-Office-Tagen oder die Rationierung des Freizeitverkehrs wären schon einmal ein guter Ansatz.

 

Über mich

Vollständiger Name

Christoph Rudolf Güdel

Wohnort

Webermühle 41, Neuenhof

Partei

Grüne Partei

Beruf

Sekundarlehrer

Jahrgang

1985

Zivilstand

ledig

Hobbies

lesen, diskutieren,
gutes Essen
und Trinken

Aufgewachsen bin ich in Oberrohrdorf und habe die Schulen bis zur Matura in der Region besucht. Nach der RS habe ich ein Germanistikstudium an der Universität Basel absolviert (BA of Arts), um mich nachher auf das Sek-1 Studium an der FHNW zu konzentrieren. Seit 2015 arbeite ich hauptberuflich als Sprachlehrer an verschiedenen Sekundarschulen im Kanton Zürich.

 

Privat lese ich sehr gerne. Auch die Küche sagt mir sehr viel. Ich koche mit Leidenschaft und schätze das grossartige Gastronomieangebot in unserer Region. Zum Ausgleich mache ich Sport: ich jogge und schwimme. Ich bin ein sehr offener Mensch und interessiere mich stark für Kultur. Zudem ist mir die Nachhaltigkeit wichtig, weil ich denke, dass wir auf eine intakte Umwelt angewiesen sind. Seit meinem 18. Geburtstag bin ich Mitglied der Grünen Aargau. Seit längerem bin ich mit meinem Lebenspartner liiert.

Mit der Region Baden bin ich stark verwurzelt und erfreue mich, seit 2015 in der Webermühle zu wohnen, einer der charakteristischsten Wohnsiedlungen weit und breit. Die Webermühle ist ein eigentliches Platzwunder, wenn man bedenkt, wie viele Personen hier wohnen und wie grosszügig offen die Anlage dennoch gestaltet ist: Hier wohnt man eben „göhner“.

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